„Der 10.000 Blütenteppich“

Der 10 000-Blütenteppich

Ausstellung

     5. März – 15. April 2014

  „Der 10.000 Blütenteppich“

im Teppichhaus Tönsmann, Espelkamp 

10.000 Menschen aus 4 Generationen und 14 Nationen haben textile Blüten gefertigt

Ausschnitt 10.000 Blüten 

Die Entstehung und Entwicklung eines ungewöhnlichen Gemeinschaftsprojekts des Fachverbands Textilunterricht e.V. und Ursel Arndt, Textilkünstlerin.

 Anlässlich der Bundesfachtagung in Berlin 2003 entschlossen sich die Landesgruppe Berlin, vertreten durch Frau Fiedler und Frau Kath sowie Frau Arndt zu einer besonderen Öffentlichkeitsarbeit.
Ein Zehntausendblumenteppich.

Ziel war es, die Vielfältigkeit des Handwerks zu zeigen, viele Leute anzuregen sich mit textilen Handwerken zu beschäftigen und darüber hinaus aufzuklären, wie es um den Textilunterrricht in den Schulen bestellt ist.
Vorbildlich:

Im Mittelalter schmückten Könige und Herzoge ihre zugigen Gemächer mit riesigen Wandteppichen. Philipp der Gute gab einen solchen Teppich in Brüssel in Auftrag, den so genannte 1000-Blumen-Teppich (heute in Bern aufbewahrt).

In einer Demokratie sollte es möglich sein, die Anzahl der Blumen zu übertreffen, indem man die Arbeit aufteilt: möglichst viele Menschen sollten eine Blüte einschicken.

Werdegang des Teppichs:

Mit Hilfe von 11 000 Postkarten wurde für das Projekt geworben.

„Schenken Sie uns eine textile Blüte, sie sollte nicht größer als ein Handteller und nicht kleiner als ein Fingernagel sein. Sie kann gehäkelt, gestrickt, gestickt, geknüpft, geknotet, gewoben, geklöppelt und/oder genäht sein. Alle Blüten, ob Meister- oder Erstlingswerk, kommen auf den Teppich, eine Zensur findet nicht statt!“ – So lautete der Aufruf!
Im Laufe der vergangenen Jahre kamen über 8000 selbstgemachte Blüten zusammen. Aus dem In- Um- und Ausland. (Polen, England, Rumänien, Neuseeland, Australien, Nepal u.a.). An diesem Projekt haben sich vier Generationen beteiligt. Die älteste Blüte ist hundert Jahre alt, die jüngste Teilnehmerin 3 Jahre.

Im ersten Jahr wurden die Blüten auf zehn Styroporplatten aufgesteckt (das Blütenmeer veränderte sich mit jeder Blütensendung), jeweils zwei Platten reisten als „mobile Beete“ über Land; sie wurden in Schaufenstern, Bibliotheken und anderen öffentlichen Orten ausgestellt und warben so für die Idee: u. a. in Berlin, Nördlingen, Zweibrücken, München, Osnabrück und Koblenz. Ebenso gab es bei verschiedenen Dorf- und Marktfesten Aktionen für den 10 000-Blüten-Teppich. Die Teppichidee reiste so quer durchs Land und brachte viele Leute auf die Beine, denn im zweiten Jahr wurde begonnen, die einzelnen Blüten aufzunähen, nun gingen Teppichstücke auf Tournee und viele Leute kamen, um ihr Blümchen auf dem bunten Tuch zu suchen.

Die Vielfalt der eingesandten Blüten hat alle Erwartungen übertroffen. Alte Occi-Spitzen und neue Ausbrenntechniken, Fingerübungen („Guck ‚ mal, mein erster Knoten!“) und Miniaturmeisterwerke (17 Rosatöne auf vier Quadratzentimeter).

So unterschiedlich wie die Blüten sind auch die Menschen, die sie gefertigt haben.

Blumengeschichten:
Es gibt eine lange Tradition für textilen Blumenschmuck. Von privaten Gebrauch bis hin zur industriellen Fertigung. Diese Blüten waren zwar nicht der Klimaveränderung ausgesetzt, aber veränderten sich zwangsläufig unter einem noch wechselhafteren Phänomen: der jeweiligen Mode; so gibt es neben einer Chanel-Blüte auch Jeans-Blüten. Darüber hinaus verweisen die Blumen auf besondere Feste.

Rosige Zeiten
die gemeine Topflappenrose
roten Rosen (Liebeserklärung)
weiße Rosen (Hochzeitsblumen)
goldene Rosen (Jubiläum)
braune Rosen (verweist nicht auf ein besonderes Fest, sondern auf Herberts Weste, den Garnrest)
schwarze Rosen (Trauerkleidung, aber auch Beispiele für die Gegenwart, heute ist schwarze Kleidung ein modisches Muss und nicht mehr ein Zeichen für Verlust)

Herkunft der Blumen
Die meisten Blüten hatten kein botanisches Vorbild, sondern orientierten sich an einer Vorlage. Bei manchen Blüten ist es gelungen ihre Wurzeln zu finden. Floristische Moden kann man im Teppich nicht ablesen, jedoch ein paar Überlegungen anstellen, was das Blütenmeer über das Wissen um Pflanzen erzählt, bzw. woher ein 8-jähriger Junge eine Aas-Blume kannte; wieso ein eingereichter Flaschenputzer aus Orangennetz kein Missverständnis ist, sondern eine sehr gelungene Umsetzung des Themas.

(Text: Ursel Arndt)