Lesung Kapries Museum

Espelkamp (nw). Das Scherifat Marokko, wie es sich vor gut 100 Jahren für den Afrikareisenden Otto C. Artbauer darstellte, konnten Besucher des Espelkamper Teppichmuseums Tönsmann am Wochenende kennenlernen. Ralf Kapries, der die Kunst der Rezitation während seines Germanistikstudiums gelernt hat und schon öfter in Espelkamp
zu hören war, trug die spannenden und anschaulichen Schilderungen des österreichischen
Forschers vor einem größeren Publikum vor.

Lesung Kapries Museum

Eingeladen zu dieser Lesung hatten das Teppich-Museum Tönsmann und der Stadtmarketing-
Verein, vertreten durch Gunter Kramer. Die alten Teppiche an den Wänden, zahlreiche historische
Webstühle und andere Gerätschaften, Fotos und eine Beamerprojektion von Aufnahmen
aus Artbauers Buch schufen eine besonders intensive und stimmige Atmosphäre. Komplett
„echt marokkanisch“ war der köstliche marokkanische Tee, der den Gästen zusammen
mit orientalischen Süßigkeiten in der Lesepause gereicht wurde. So konnten sie ein wenig von
der Festatmosphäre nachvollziehen, von der in den Schilderungen Artbauers die Rede war: „Welch ungezählte, ja unzählbare Kannen Pfefferminz duftenden Tees von Männlein wie Weiblein jeden Alters vertilgt werden, glaubt nur, wer es selbst gesehen“, schrieb der Forscher 1911 in seinem Kapitel
„Das schöne Geschlecht“. Mit leichtem Amüsement las Kapries Sätze wie „Erstens ist der
Sohn des Atlas ebenso wie manch anderes Menschenkind der Ansicht, dass schon eine Gattin genügend sei, um neben zu erwartenden Rosen auch unausbleibliche Dornen in sein Leben zu flechten. Zweitens kosten Frauen viel Geld“ oder „berberische Redensarten“ wie „Bevor die Frau geboren hat, ist sie Geliebte, hernach Mutter!“ Aber auch die bemerkenswerten Fähigkeiten marokkanischer Postläufer, ein seltsames Sektenfest sowie anschauliche Szenen eines „Suk“, eines
marokkanischen Wochenmarktes, wurden in Artbauers Darstellung wieder lebendig. Die reichen Eindrücke von Lesestoff und Umgebung sorgten sowohl während der Pause als auch nach der eigentlichen Lesung für einen regen Gedankenaustausch unter den Gästen, die im Anschluss an eine
Stadtführung, aber auch angeregt von Ankündigungen in der heimischen Presse aus der näheren
und weiteren Umgebung gekommen waren.

Die Besucher hingen dem Erzähler im Teppichmuseum quasi an den Lippen.